Love Parade: Aufstieg und Fall der großen Techno-Parade
Ein Jahrzehnt lang war die Love Parade das Gesicht des Techno für die ganze Welt: Wagen mit Soundsystemen, die durch die Berliner Innenstadt rollen, und eine Menge, die tanzt, so weit das Auge reicht. Sie begann als kleine Demo und wurde zu einem der größten Events der elektronischen Musik überhaupt, bis zu einem Ende, an das niemand gern denkt.
1989: eine Demo mit Musik
Im Juli 1989, wenige Monate vor dem Mauerfall, meldete der Berliner DJ Matthias Roeingh, bekannt als Dr. Motte, eine Demonstration auf dem Kurfürstendamm an. Das Motto: Friede, Freude, Eierkuchen. Die Idee: elektronische Musik und die Freiheit, auf der Straße zu tanzen.
Beim ersten Umzug liefen rund 150 Leute hinter einem Kleinbus mit Musik her. Was folgen würde, konnte sich niemand vorstellen.
Die Neunziger: Techno übernimmt Berlin
Der Mauerfall und die Explosion der Berliner Techno-Szene machten die Love Parade zum Phänomen. Jahr für Jahr vervielfachten sich die Teilnehmerzahlen. 1996 zog die Parade auf die Straße des 17. Juni im Tiergarten, mit der Siegessäule als Mittelpunkt, und Ende des Jahrzehnts sprachen die offiziellen Zahlen von über einer Million Menschen.
Große Clubs, Labels und DJs fuhren mit eigenen Wagen mit, Fernsehsender weltweit zeigten die Bilder. Für viele junge Leute in Europa war die Love Parade das erste Mal, dass sie Techno als Massenkultur sahen.
Vom Geist zur Marke
Der Erfolg brachte Probleme. Die Kosten für Reinigung und Sicherheit waren enorm, und 2001 erkannten die Behörden die Parade nicht mehr als politische Demonstration an. Damit mussten die Veranstalter diese Kosten selbst tragen. Gleichzeitig kritisierte ein großer Teil der Szene, das Event sei kommerziell geworden und die Musik auf den Wagen habe sich immer weiter vom Techno entfernt.
Nach einigen schwierigen Jahren verließ die Love Parade 2007 Berlin und zog ins Ruhrgebiet, zuerst nach Essen, dann nach Dortmund.
Duisburg, 2010
Am 24. Juli 2010 fand die Love Parade auf einem ehemaligen Güterbahnhof in Duisburg statt. Der einzige Zugang führte durch einen Tunnel und über eine Rampe. Das Gedränge löste eine Massenpanik aus, bei der 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden. Die Veranstalter erklärten noch am selben Tag, dass es keine Love Parade mehr geben werde.
Die Katastrophe hat die Planung großer Veranstaltungen in Europa dauerhaft verändert: Sicherheitskonzepte, Zugänge und Besucherlenkung haben seitdem absolute Priorität.
Was von der Love Parade bleibt
- Sie holte Techno aus den Clubs: Sie zeigte, dass diese Musik Massen auf der Straße zusammenbringen kann.
- Sie machte Berlin zum Reiseziel: Tausende entdeckten die Stadt und ihre Szene durch die Parade.
- Sie inspirierte andere Events: Es gab Ableger in anderen Städten, und ihr Geist prägte viele Festivals.
- Sie hinterließ eine Lektion in Sachen Sicherheit: Duisburg ist heute ein Lehrbeispiel dafür, wie man eine Menschenmenge nicht lenkt.
Seit 2022 zieht Dr. Motte mit „Rave The Planet“ wieder durch Berlin, als Demonstration mit elektronischer Musik, kleiner und näher an der Szene als die Love Parade der späten Neunziger.
Wie Rave in Deutschland überhaupt entstanden ist, liest du in Was ist ein Rave?. Was heute in Berlin läuft, steht unter Techno in Berlin, große Events unter Techno-Festivals.
Häufige Fragen
Was war die Love Parade?
Ein Umzug mit elektronischer Musik, der 1989 in Berlin als Demonstration begann und zeitweise über eine Million Menschen anzog.
Wer hat die Love Parade gegründet?
Der Berliner DJ Dr. Motte (Matthias Roeingh).
Warum gibt es die Love Parade nicht mehr?
Wegen des Unglücks von Duisburg 2010, bei dem 21 Menschen in einem Gedränge ums Leben kamen. Danach fand keine Love Parade mehr statt.
Titelbild: Denis Apel, Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0 de)